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Kommentar: 16. 07. 2016: Heiner Hannappel,Heiner Hannappel
Europa, Agonie oder Neustart?



Wer aufmerksam die Nachrichten der Medien wahrnimmt, kann die Situation der Staaten und Banken der Eurozone nur noch als eine uns alle strangulierende Blockade interpretieren.

Alle Nationen sind hoch verschuldet, und können sich gegenseitig nicht mehr helfen und ihre Banken sind zum Risiko aller europaweit vernetzt.

Alleine Italiens Banken sitzen heute auf 360 Mrd. Euro fauler seit 90 Tagen nicht mehr bedienter Kredite mit zunehmender Tendenz, also über einem Drittel aller Not leidender Kredite in Europa! Der italienische Staat sitzt auf 2,2 Billionen Schulden, also einem Defizit von 130% und ist das Hochrisikoland der Eurozone, nicht Griechenland.

Die deutschen Banken stehen laut der BIZ (aus den deutschen Wirtschafts-Nachrichten vom 10.7.2016) mit ca. 90 Mrd. Dollar in Italien im Risiko, die französischen Banken mit ca. 278 Mrd. Dollar, US-Banken 50 Mrd. Dollar, spanische Kreditinstitute 48 Mrd. Dollar, danach laut BIZ, England, Japan und die Niederlande mit je 30 Mrd. Dollar!!! Welch eine Verschuldung! Und die Kanzlerin sagte, dass es keine Eurokrise wegen Italien geben wird! Wie denn das?

Bei dieser Risikolage Italiens und seiner Banken gerät jedoch das größte deutsche Kreditinstitut, die Deutsche Bank aus dem Fokus. Doch gerade von dieser Bank, deren Aktien in den letzten 12 Monaten um ca. 47% auf ca. 8% ihres ursprünglichen Wertes fielen, die mit ihren immer neuen Strafzahlungen, Verlusten nicht mehr aus den Schlagzeilen kommt, deren Bilanzen grottenschlecht dastehen, deren Kapitaldecke nach Basel 3 viel zu klein zu dem Umfang ihres Derivatenhandels mit ca.55 € Billionen an ausstehenden Derivatenkontrakten und ihrer Größe ist, droht uns allen eine riesengroße Gefahr. Ein Crash dieser Bank muss verhindert werden, den dieser hätte das Potenzial als Katalysator zur Zerstörung des fragilen weltweiten Finanzsystems zu werden!

Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist auch die EU zunehmend handlungsunfähig und suggeriert uns nun hilflos das Gegenteil. So will, nein muss nach dem Fiskalpakt die EU Portugal und Spanien dafür bestrafen, dass diese ihre Wirtschaft erfolgreich ein wenig belebten, dafür aber die 3-%-Fiskalpaktkriterien überzogen.

Frankreich, seit Jahren in gleicher Lage, wurde wiederholt reichlich Zeit eingeräumt, um diesen Kriterien gerecht zu werden. Alle drei werden das aber nicht schaffen! Brüssel, mit seiner ureigenen Intelligenz wird komplizierte verschleiernde Wege finden, um beide Länder nicht zu bestrafen, oder eine Nullfolgenstrafe aussprechen, die aber alle Schuldenstaaten animieren wird, weiterhin diese 3 %-Grenze des Stabilitätspaktes dauerhaft zu knacken!

Die EZB hat mit dem Fluten der Märkte mit mehreren Billionen Euro ihr letztes Pulver verschossen und mit dem Ankauf von Staatsanleihen und Bankenschrott die Regularien der Märkte ausgehebelt und durch deren Maßnahmen bricht überdies den Banken und Versicherungen deren Geschäftsmodell weg.

Die EZB handelt konträr zu ihrer Aufgabenstellung und verfehlt ständig ihre angepeilten Ziele, da sie in einem unauflöslichen Interessenkonflikt steht und deshalb nur noch Fehler produziert und die Lage verschlimmert. Die EZB subventioniert mit ihren Käufen entgegen ihren Statuten italienischen Staatsanleihen und die anderer Schuldenstaaten. Doch, da die Deutsche Bundesbank als größter Teilhaber der EZB das gleiche Stimmrecht hat wie auch das winzige Malta, wird diese heute und künftig von der Mehrheit der Schuldnernationen überstimmt werden! Ein unhaltbarer Zustand, da der deutsche Staat, also wir mit 27,5 % für alles haften muss!

Unsere Sparguthaben schmelzen ohne Zinsen wie Butter an der Sonne. Stillstand allerorten. Europas Politikern fallen nun all ihre Versäumnisse, Überregulierungen und Scheinlösungen auf kleinstem Nenner zugleich auf die Füße! Natürlich werden unter wiederholtem Bruch der Verträge die Steuerzahler letztlich bluten müssen, und wenn dass nicht reicht, auch die Sparer, da es so am bequemsten ist! Dazu jetzt auch noch der BREXIT.

Da weicht man doch allzu gerne auf martialische Worte und Handlungen gegenüber Russland aus und inszeniert zur Ablenkung von den anstehenden Problemen künstlich Zustände wie im verflossenen Kalten Krieg, indem Russland immer wieder zum Aggressor hochstilisiert wird?

Russlands Reserven schmelzen durch das wohl von den USA inszenierte Ölpreisdilemma und die uns von den USA aufoktroyierten Sanktionen dahin. Vor der Wiedervereinigung wurde Russland platt gerüstet und heute mit zu niedrigen Ölpreisen so lange plattgemacht, bis Putins Ambitionen gegen die Dollarhegemonie kraftlos dahinsiechen.

Haben Russland und der Westen in Syrien Gemeinsamkeiten? Den USA ist doch nur daran gelegen, Russland in die Pleite zu treiben. Wer unterstützt denn die Aufständischen in Syrien gegen Russland und Assad für einen endlosen geld- und kräftezehrenden Krieg mit Waffen? Richtig, die USA. Deshalb befriedet sich die Region auch nicht und Millionen, inklusive potenzieller Terroristen kommen nach Europa, b.z.w. nach Deutschland und destabilisieren bald unsere Gesellschaft. Europa muss einen selbstständigen Part in der Welt spielen, aber diesen verspielt es gerade.

Die alles überdeckende Fußballeuropameisterschaft hat als willkommene Ablenkung von den wirklichen Problemen der Welt nun ausgedient. Die Realitäten Europas stehen wieder fordernder denn je auf der Matte. Die Probleme werden immer mehr, anstatt weniger, immer komplexer und unlösbarer.

Die Politiker Europas merken nun allzu deutlich, dass ihr Allerwertester, egal wie sie sich auch drehen und wenden, immer hinten bleibt und sie sich verändern müssen, denn die gemütliche Kuschelecke der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg existiert nicht mehr. Die Großwetterlage beginnt sich dramatisch zu verändern und die Natur macht es vor. Nicht gesundbeten, sondern ein energisches Handeln ist jetzt angesagt!

Und was macht die Kanzlerin? Allzu leise fährt diese ohne Konzept und Prinzipien wie gewohnt auf Sicht und wird durch den BREXIT, der von der neuen Premierministerin Englands May auch durchgeboxt wird, zur unfreiwilligen Führungsfigur Europas und zum bevorzugten Ansprechpartner der USA.

Welche Ehre bei der Auswahl der Kandidaten zu den nächsten US-Präsidentschaftswahlen!

Aber Führungsfiguren müssten eigentlich auch Führungspotenzial und eine gewisse Größe besitzen! Doch da wirft Kanzlerin Merkel unter den politischen Zwergen des europäischen Führungspersonals in der Abendsonne Europas lediglich den größeren Schatten! Die Abenddämmerung Europas kann auch sie nicht mehr verhindern. Tröstlich für uns ist, dass nach der Abenddämmerung und Nacht immer wieder ein neuer Tag ansteht und das noch für einige Mrd. Jahre. Wie klein wir doch sind!

Heiner Hannappel
Koblenz

Stichworte: BREXIT, Schulden, Italiens Bankenschrott, BIZ, Hochrisikoland Italien, Europas Lähmung.

Namen: Merkel, Hannappel

E-Mail: heiner.hannappel@gmx.de

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