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Analyse: 11. 08. 2014: Heiner Hannappel,Heiner Hannappel
Europas vertane Chancen! Teil II/VI



Meine Schulklasse hatte einen strengen Klassenlehrer namens Carl und ausgerechnet ich, ein damals eher ruhiges Kerlchen, bekam schon in seiner ersten Unterrichtsminute ungerechterweise die erste Backpfeife, weil ich irritiert nach hinten schaute, da sich hinter mir irgendetwas tat. Später nach dem Unterricht beschwerte ich mich bei meinem neuen Lehrer und dieser gab zu, mir unrecht getan zu haben und drückte mich kurz.

Zu meiner großen Überraschung entschuldigte sich bei mir eine Respektsperson und diese lehrte mich so nebenbei, dass eine Entschuldigung keine Schande ist, sonder einen unschätzbaren Gewinn darstellen kann. Lehrer Carl wurde unser beliebtester Lehrer.

Abgesehen davon, dass er ein guter Wissensvermittler war, beherrschte er in unnachahmlicher Art das Vermitteln von geschichtlichen Zusammenhängen und Vorgängen. Dieses allerdings war seine große Schwäche, in doppelter Hinsicht, wie mir viel später bewusst werden sollte. Wenn wir in Mathe einmal keine Lust mehr hatten, stellte irgendeiner, auch ich eine interessante Frage zur Geschichte. Prompt setzte sich Lehrer Carl auf eine Tischkante und erzählte und erzählte, bis die Mathestunde vorbei war.

Er war zufrieden, wir waren zufrieden, nur aus gänzlich unterschiedlichen Gesichtspunkten. Lehrer Carl erzählte von den Römern, von den Griechen, von der Völkerwanderung, von Karl dem Großen. Pippin dem Kleinen, Karl dem Kahlen, von dem Gang Friedrichs nach Canossa, den Karthagern. Er erzählte und erzählte und erweckte damit bei mir einen Hang zur Geschichte und so auch zur Politik. Schon früh brachte ich meinen Vater und meinen Onkel mit ausgefeilten Kenntnissen der Geschichte in Wallung und mit kritischen Fragen zur aktuellen Politik in Verlegenheit, welche seitens meines Onkels, der gleichzeitig auch mein Lehrherr war, etwas ruppig, wie autoritär abgewürgt wurden.

Schon früh aber war mir bewusst, dass da ein riesengroßes Loch in meinen Geschichtskenntnissen vorhanden war, doch Kanusport, später Tanzunterricht und Freunde ließen ein Schließen dieser Riesenlücke nur partiell zu.

Während meines Berufslebens blieb aber der Wille, mich zu informieren und ich muss gestehen, dass ich erst im mittleren Alter die ganze Tragödie, in die Deutschland 1914 hineingeschliddert war, zu begreifen begann. Ich begriff auch auf einmal, wie peinlich dieses Thema für unsere „Verbündeten“ war. Und ich begriff auf einmal, warum unser Lehrer Karl dieses Loch in der Geschichte nicht ausfüllte.

Ich begriff, dass unser beliebter Klassenlehrer einen Maulkorb anhatte und diesen zum Erhalt seiner Lehrerstelle zu diesem Thema nicht ablegen durfte, denn die Bundesrepublik Deutschland war noch nicht wirklich souverän, sondern stand unter den Pantoffeln der Siegermächte, welche sich nicht bloßstellen lassen wollten. Also wurden die überaus egoistischen peinlichen Vorgänge um den Ersten Weltkrieg zu einem publizistischen „No Go“ Area erhoben, um keine Unruhen in der von zwei entsetzlichen Kriegen verwundeten Seele der Deutschen aufkommen zu lassen. Allzu gerne verdrängten die Deutschen im Zeichen des Wirtschaftswunderlands diese Aufarbeitung der deutschen Geschichte, da sie mit viel Aufregenderem wie z. B. der Vergrößerung der Heckscheibe des VW-Käfers beschäftigt waren.

Selbst die Wiedervereinigung brachte nicht so richtig eine Aufklärung in der Bevölkerung zustande, denn zu sehr lag man sich nach so langer Zeit der Trennung in den Armen.

In Folge wallte das deutsche Gemüt so richtig auf, als allen klar wurde, dass wir die Wiedervereinigung nur mit der Aufgabe der DM bekommen sollten.

Bundeskanzler Kohl war, als er erkannte, dass die Aufgabe der DM der Preis für die Wiedervereinigung sein sollte, sogar bereit Souveränitäten Deutschlands im Zuge eines sich konsequent zusammenschließenden europäischen Staates abzugeben, wenn dann die anderen Staaten Europas ihm nachfolgen würden. Hier lag eine historische Chance vor, um die europäische Einheit als Staat mit einer stärkeren Gewichtung im weltweiten Spiel der Macht und Wirtschaftsgeschehen wieder zu erlangen.

Da aber die Mittelmäßigkeit in den Köpfen der europäischen Staatsführer triumphierte und dieser Mangelzustand der Politiker sich auch bis heute nicht zum Positiven verändert hat und diese nur eines im Sinne hatten, nämlich das wirtschaftlich starke Deutschland mir der Aufgabe der DM zu schwächen und mit einer gemeinsamen Währung zu fesseln, wurde der Vorschlag Kohls als Verzögerungstaktik abgetan, um so die DM noch eine Weile behalten zu können.

Bundeskanzler Kohl ließ dann von seinem Staatssekretär Horst Köhler, einem ausgewiesenen Eurofachmann die NO BAIL OUT Klausel in die Verträge von Maastricht schreiben, welche eine Übernahme von Schulden anderer Staaten und deren Banken ausdrücklich verbot.

Frankreich unter Mitterrand fügte prompt eine Nebenklausel ein, nach der einem systemrelevanten Staat Hilfe von anderen Staaten gewährt werden kann.

Auch hier wird wieder offensichtlich, was man eigentlich mit der Einheitswährung vorhatte, nämlich Deutschland wenn nötig, denn welche Staaten wurden später alles systemrelevant, in die Schuldensümpfe der anderen europäischer Nationen hineinzuziehen und so zu schwächen.

Purer Egoismus und das schon immer vorhandene Bedürfnis der Nachbarstaaten Deutschlands, ihr eigenes Süppchen weiter kochen zu können, war einmal wieder die Triebfeder, um Kanzler Kohls ehrlich gemeinten Vorschlag rundweg abzulehnen.

Diesem eklatanten historischen Fehler läuft die europäische Politik bis heute und in Zukunft hinterher, ohne diesen jemals wieder einfangen zu können!

Die Situation im ganzen Euroraum wird seither geprägt von Vertragsbrüchen, überbordenden Schulden aller Staaten und Banken und erst recht durch die Zerstörung der NO BAIL OUT Klausel im Mai 2010 zulasten Deutschlands und aller europäischen Demokratien wie auch deren Institutionen, welche konsequent dem Zeitgeist einer Schuldenvergemeinschaftung folgend geschliffen werden, da demokratische Abläufe zur Rettung dieser Gemeinschaftswährung überaus lästig werden!

Diese komplexe Problematik wird in meinem 2014 erschienenen Buch „Wir begehrten nicht auf !“ ausführlich beschrieben.

Ausgerechnet Horst Köhler, der als Staatssekretär die NO BAIL OUT Klausel in die Maastricht-Verträge einbrachte, sollte diese Klausel im Mai 2010 mit seiner Unterschrift als Bundespräsident zerstören, um dem Primat der Politik Kanzlerin Merkels gerecht zu werden. Nach einer Schamfrist trat Köhler mit meines Erachtens nicht glaubhaften Argumenten zurück. Er war für mich das erste politische Opfer des Euro, der aus ökonomischer Sicht nie hätte eingeführt werden dürfen, aber zur Schwächung Deutschlands politisch gewollt war! Diese Einheitswährung zerstört seither die europäische Vision, den europäischen Zusammenhalt, da sich jede Nation nur noch in diese unseligen Euro verschulden kann.

Anstatt wie vorher mit den eigenen Währungen auf und abwerten zu können, zerstört dieser Euro die wirtschaftlichen Strukturen der sich immer höher in diesen verschuldenden Nationen und erschuf so eine ungeheure, bislang in der Neuzeit nach 1945 nie gekannte Arbeitslosigkeit, welche gerade den jungen Generationen die Zukunftsperspektiven zerstört.

Keiner der verantwortlichen Politiker für dieses Drama oder besser: politisches Desaster, will erkennen und dann auch zugeben, dass die europäische Einigung unter diesen Voraussetzungen nie kommen wird, da diese ungeheuren Schulden, welche durch Vertragsbruch ganz Europa heimsuchen, nie mehr zurückgeführt werden können und so in ein paar Jahren unweigerlich zu einem Zusammenbruch dieses schuldenbasierten Finanzsystems führen werden.

Der Euro ist ein Spaltpilz und wird es auch immer bleiben, da bei seiner Einführung sämtliche ökonomische Gesetze ignoriert wurden, um die stärkste Wirtschaftsmacht in der Mitte Europas Deutschland zu binden und anderen Interessen dienlich zu machen!

Der Euro steht meiner Meinung nach für eine der vertanen Chancen Europas, sich in der Welt als gleichberechtigtes Kraftzentrum neben den anderen behaupten zu können! Europas weiterer Niedergang ist so unschwer abzusehen!

Fortsetzung folgt....

Permalink: http://www.fortunanetz.de/tageskomments/2014/August/Aug11.php





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